Was fühlte ich mich geborgen...

Weggehen müssen - Ankommen können
Was fühlte ich mich geborgen...

Bildquelle: Manfred Pranghofer / Urheber: Fotoatelier Seidel

 

Angefangen hat alles in Salnau, einer kleinen Gemeinde im Süden des Böhmerwaldes. Kunstvoll wurde ich aus einzelnen Holzstücken, die aus den angrenzenden Wäldern stammten, zusammengebaut. Als Mitgifttruhe meines damaligen Besitzers kam ich schließlich ins wohl älteste Haus des Dorfes, den Altrichterhof. Dort lebte ich über Generationen hinweg. Zunächst war mein Platz im elterlichen Schlafzimmer des Ehepaares Jungwirth. Nachdem ich daraufhin einige Jahre in der häuslichen Stube zur Aufbewahrung von allerlei Decken und Kleidungsstücken Verwendung fand, kam ich in den Flur des Hofes, gleich rechts neben die Eingangstür.

Der Bauernhof lag inmitten des Dorfes, unweit von Kirche und Schule. Meine Besitzer, die Familie Jungwirth, waren eine angesehene, für die damaligen Verhältnisse recht wohlhabende Familie. Der Hof hatte, wenn ich mich nun recht erinnere, um die 22 Rinder, 2 Pferde und ca. 35 Hektar Land. So gab es immer etwas zu tun. Doch die Familie liebte die Arbeit und das Leben auf dem Hof. So war doch immer eine heitere Stimmung im Haus.

Ach, wenn ich so zurückdenke, wird mir ganz wehmütig ums Herz. Wie schön war es, Teil eines solchen Hauses zu sein. Ich fühlte mich stets sicher und aufgehoben. Man beachtete mich und ging liebevoll mit mir, einer alten, schweren, hölzernen Truhe um. Es war meine Heimat. Ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit, das mich stets umgab. Ein Ort der Zugehörigkeit.

Der Altricherhof zur damaligen Zeit

Der Altricherhof zur damaligen Zeit

Bildquelle: Böhmerwaldmuseum Passau/Bild: Stephan Gauer