Das Bankenwesen in der DDR

"Anfangs wurde mir nicht einmal die Hand gegeben."
Das Bankenwesen in der DDR

Bildquelle: DDR Geld - GDR Money Sascha Grosser CC 4.0 BY SA

Unser Interviewgast Marita Bunk wurde in Grimma geboren und wohnt heute in Leipzig. Sie war zunächst gelernte Landwirtschaftskauffrau und hat sich nach einer Umschulung bis zur Bankdirektorin hochgearbeitet. Sie ist eine Kennerin des Bankenwesens der DDR und hat uns sehr anschaulich davon erzählt.

Das Bankensystem der DDR unterschied sich grundsätzlich von dem heutigen. Grund dafür war das in der DDR vorliegende Wirtschaftssystem, die Planwirtschaft. Dabei wird fast alles durch den Staat reguliert und unterliegt dessen Vorschriften und Auflagen. Dies betrifft vor allem Unternehmen und Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG), aber auch Banken.

Das Bankensystem der DDR war unterteilt in die Staatsbank und Spezialbanken. Erstere war der Nachfolger der deutschen Notenbank und war somit ein übergeordnetes Institut, dessen Aufgabe es war, die Spezialbanken zu koordinieren und den Geldumlauf zu kontrollieren. Die Spezialbanken waren der Staatsbank untergeordnet und hatten unterschiedliche Funktionen, beziehungsweise Aufgaben. Sie waren der Gegenpart zu den Universalbanken, die heutzutage in Deutschland die Regel sind und sich im Gegensatz zu den Spezialbanken auf mehrere Bankgeschäfte spezialisieren. Die wichtigsten Spezialbanken waren die Bank für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft (BLN), die Genossenschaftskassen für Handwerk und Gewerbe, die Sparkassen, die Deutsche Außenhandelsbank, die Deutsche Handelsbank und die Postbank. Zu den Funktionen der BLN gehörte vor allem der Zahlungsverkehr zwischen den LPG´s. Die Genossenschaftskassen für Handwerk und Gewerbe waren zuständig für die Handwerks- und Gewerbegenossenschaften. Die Sparkassen sollten die Spareinlagen der Bevölkerung verwalten. Für den Zahlungsverkehr mit dem Ausland waren die Deutsche Handelsbank und Außenhandelsbank zuständig. Die Postbank sollte die Bevölkerung mit weiteren Bankleistungen versorgen. [1]

Das Bankensystem der DDR war also ein wichtiger Bestandteil der Planwirtschaft und wurde mit der Staatsgründung am 7. Oktober 1949 strikt nach dem sozialistischen Bankensystem gestaltet, das Lenin entworfen hatte. Dabei lag die vorrangige Bedeutung bei einer alles kontrollierenden und den Wirtschaftsplänen der Regierung untergeordneten Zentralbank. Auch wenn weiterhin eine formale Dreiteilung in Sparkassen, Genossenschaftsbanken und nun der DDR Staatsbank anstelle des privaten Bankensektors bestand, so lagen doch alle Entscheidungen bei der Staatsbank. So gab es zum Beispiel keinen Wettbewerb unter den Banken, Zinsraten wurden von staatlicher Seite festgeschrieben und Unternehmenskredite nur innerhalb des staatlichen Wirtschaftsplans vergeben. In diesem Monobankensystem war eine Bankenwirtschaft im marktwirtschaftlichen Sinn nicht existent. Das DDR Bankensystem konnte demnach als weiterer Arm der sozialistischen Planwirtschaft bezeichnet werden. [2]

 

 

[1] Vgl. https://www.gabler-banklexikon.de/definition/bankensystem-der-ehemaligen-ddr-55980 

[2] Vgl. https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/FokusNr.-99-Juli-2015-25-Jahre-Banken-Ost.pdf