Alles gegeben und viel erreicht

29 Jahre ein Bein der "Spinne"
Alles gegeben und viel erreicht

Bereits 1887 gründete Ferdinand Eduard Wagner die Baumwollspinnerei in Naunhof, die mehr als 100 Jahre Betriebsgeschichte schrieb bis sie geschlossen wurde. Ilona Wippich erlebte die letzten 29 Jahre dieses Betriebs mit, in dem bereits ihre Mutter arbeitete. Eigentlich wollte Ilona Wippich Handschuhnäherin in Grimma werden, "aber da ich die Zeit verschlafen habe, war natürlich kein Platz mehr“. Also brauchte sie Alternativen. 1960 verließ sie nach der achten Klasse die Schule und begann eine Ausbildung in der "Spinne", um ihre alleinverdienende Mutter zu unterstützen. Schon früh zeigte sich, dass sie Talent hatte, anderen Lehrlingen zu helfen. Ebenso fiel es ihr leicht, die Maschinen zu verstehen und zu benutzen, ein Grund für ihre mehrfache Auszeichnung zum besten Lehrling.

Die zweijährige Grundausbildung zur Baumwollspinnerin umfasste einen Durchlauf aller Fabrikationsschritte und der zugehörigen Maschinen des Betriebs. Danach folgte ein halbes Jahr Spezialausbildung an dem Einsatzort, an dem man letztendlich aufgrund seiner Fertigkeiten arbeitete. Frau Wippich wollte ursprünglich an der Ringspinnmaschine arbeiten, doch sie erhielt ein Schreiben, in dem sie für die Leitung der Berufsausbildung vorgeschlagen wurde. Diese Chance ließ sie sich nicht entgehen und begann 1963 ihre neue Aufgabe. Der Meisterlehrgang, den sie absolvierte, umfasste ein halbes Jahr Direktstudium der Pädagogik in Aschersleben und eine Lehrmeisterprüfung, bei der sie vor einem Kollektiv aus Lehrenden unterrichten sollte.

Ilona Wippich hatte immer viel Freude an der sehr praxisnahen Arbeit als Lehrmeisterin. Perfektion und Effektivität waren hierbei die wichtigsten Werte, die an die jungen Lehrlinge übermittelt werden mussten. "Das war die prägendste Zeit für mich". Entsprechend traurig waren für sie die letzten Jahre der Fabrik bis zur Schließung nach der Wende.

Ilona Wippich war eine Frau, die immer mit viel Herzblut bei der Sache war. Dafür erhielt sie letztendlich auch eine Auszeichnung in Berlin, "für Verdienste bei der Verbreitung des Marxismus-Leninismus und der kommunistischen Erziehung der jungen Generation". Außerdem erhielt sie eine Bronze- und eine Silbermedaille für die Zeit, die sie im Werk tätig war. Die Goldmedaille für 30 Jahre Dienst verpasste sie nur knapp, da sie das Werk nach 29 Jahren getaner Arbeit verließ.