Zeit der Wende

29 Jahre ein Bein der "Spinne"
Zeit der Wende

Im Jahr 1991 kam es zur Liquidation, also zum Verkauf aller Vermögensgegenstände des Werks Naunhof. Diese wurde von der Treuhand beschlossen. Die Treuhand war eine Anstalt, welche ehemalige DDR-Betriebe in sozialmarktwirtschaftliche Betriebe umstrukturierte. Dabei war auch die Stilllegung eines Betriebs keine Seltenheit, wenn dieser nicht neu zu strukturieren war. Die Aufgabe der Treuhand war es, den Zusammenhalt des Volksvermögens sowie die Beteiligung des Volkes am Vermögen zu sichern.

Bevor es 1992 zur endgültigen Schließung des Werkes kam, wurde die Lehrwerkstatt schon im Jahr 1990 liquidiert, und die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer wurden in das Werk Leipzig verlegt. Die Gründe, die zur Schließung des Werkes führten, waren die zu unwirtschaftliche Produktion sowie die zu hohen Sanierungskosten für das Werk.

Ilona Wippich hat die Schließung des Werkes selbst nicht miterlebt. Sie arbeitete zu der Zeit schon bei einem Gastronomiepartner, wo jede Arbeitskraft gebraucht wurde, da sich das Unternehmen im Aufbau befand. Dieses Unternehmen kaufte Land von ihr und bot ihr dafür einen Job an. Ilona Wippich beschreibt die Entlassung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dezember 1991 als eine aufwülende und schlimme Erfahrung für den Werkleiter Dieter Knoof. Dieser empfahl Ilona Wippich vor der Schließung andere Perspektiven zu verfolgen und sich beruflich neu zu orientieren. Außerdem beschreibt sie es als emotionalen und bewegenden Moment, als sie ihren alten Arbeitsplatz, in dem sie 29 Jahre gearbeitet hatte, in Schutt und Asche sah. Sie arbeitete sehr gerne dort und wollte eigentlich bis zur Rente in dem Betrieb bleiben.