Zwei Staaten, zwei Welten
Erst getrennt und trotzdem verbunden

“Sicherlich schleppt man irgendetwas mit sich herum. Ist ja klar bei einer völlig unterschiedlichen Sozialisation”, so Hans-Dieter Ulm bei der Thematisierung von Vorurteilen, als er nach dem Fall der Mauer in den Osten kam. Insgesamt reisten ca. 30% aller Menschen aus der ehemaligen BRD in die damalige DDR. Einer von ihnen war auch Herr Ulm. Ihm ist klar, wieso 95% der Menschen aus dem Osten direkt nach dem Mauerfall in den Westen flohen: “Im unmittelbaren Wendeumfeld 89/90 und die nächsten Jahre darauf war die Freude viel größer über die Wiedervereinigung im Osten, als im Westen. Im Westen gab es ja schon Freiheit.” Hans-Dieter Ulm hatte auch viele schöne Begegnungen direkt nach der Wende, zum Beispiel bei der ersten gemeinsamen Silvesterfeier.

Dennoch gab es damals einige Vorurteile gegenüber den jeweils anderen. Man kann davon ausgehen, dass Frauen aus dem Osten, dadurch, dass auch sie ihr eigenes Geld verdienten, emanzipierter waren. Auch gab es Lohnunterschiede zwischen Menschen aus dem Osten und Westen. Doch auch heute gibt es weiterhin Unterschiede in der Bezahlung, beispielsweise zwischen Frauen und Männern. Häufiger waren Menschen aus der ehemaligen BRD in Führungspositionen. Auch heute herrscht ein gewisses Ost-West-Denken. Herr Ulm beschreibt die Erziehung der Westdeutschen so:

Aufgrund des harten Regimes in der DDR hielten sich viele Bürgerinnen und Bürger der neuen Bundesländer auch heute noch in ihrer Meinung zurück. Dies sei aber individuell und nicht verallgemeinerbar, so Herr Ulm.

Unterschiede zwischen Ost und West nehmen, laut einigen Umfragen, Jugendliche auch heute noch wahr. Zwei Drittel der Menschen aus dem Osten finden es wichtig zu wissen, wo der jeweils andere herkommt. 22% bezeichnen sich ebenso gern als “Ostdeutsche”, wohingegen sich nur 8% gern als “Westdeutsche” darstellen. Auch Personen aus der damaligen BRD hatten Vorurteile gegenüber Menschen aus der DDR, die sie an die Jugendlichen von heute weitergaben. Bürgerinnen und Bürger aus dem Osten seien ärmer, redseliger, aber auch distanzierter gegenüber Fremden und konservativer, so die Hannoversche Allgemeine.