Lucca - Verleihung des Petrarca-Preises

Die zerbrochene Feder – Das Leben des Dichters Jan Skácel
Lucca - Verleihung des Petrarca-Preises

Ende der 1970er gingen schließlich die leidvollen Jahre des Publikationsverbots zu Ende. Nach 12 Jahren durfte Jan Skácel 1981 ausgewählte Werke wieder veröffentlichen. Ebenfalls begannen im Verlauf des Jahrzehnts andere Namen wiederaufzutauchen, die bislang totgeschwiegen worden waren. Kleine Hoffnungssätze schlichen sich in Skácels Briefe an Reiner Kunze ein. „Zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück, aber man atmet viel freier und offener. Viel hängt von der weiteren Entwicklung in der Sowjetunion ab.“  Oder auch „Es scheint, das Eis hat sich bewegt.“

Die Erscheinung des Buches „Wundklee“, in dem Reiner Kunze Gedichte von ihm ins Deutsche übersetzt hatte, war eine regelrechte Auferstehung von den Toten. Zudem hatte man Skácel 1978 als korrespondierendes Mitglied in die Bayerische Akademie der Schönen Künste berufen und 1989 wurde ihm im italienischen Lucca der renommierte Petrarca-Preis verliehen, der ihm natürlich großen Rückhalt verschaffte.

Doch die Zuversicht auf eine bessere Zukunft erwies sich als trügerisch. Er blieb weiterhin isoliert und wurde politisch gedemütigt. Seine großartigen Gedichte und auch die nun erscheinenden Bücher wurden verrissen. All dies gehörte zum perfiden Plan der kommunistischen Partei, die sogar die Prager Schriftstellervereinigung anwies, Skácel die Altersversorgung abzuerkennen. Zeitweise stand es sehr schlimm um den Lyriker, der weder ein noch aus wusste und sich mit dem Rücken zur Wand wiederfand.

Sein letztes Jahrzehnt blieb eine Zeit der gespaltenen Emotionen. Auf der einen Seite die anhaltende Hoffnung auf eine Veränderung. Auf der anderen Seite die Angst vor den arglistigen Schikanen der Regierung. 

Es scheint ein Abbild für die ganze Tragik seines Leben zu sein, dass Jan Skácel eine Woche vor Ausbruch der „samtenen Revolution“ in Prag am 7. November 1989 in seiner Heimatstadt Brünn starb.  

Letzte Worte für dich

Vgl. zur ganzen Geschichte: Reiner Kunze: Der Dichter Jan Skácel. Versuch eines Portraits in Gedichten, Feuilletons und Briefen Jan Skácels und in Zeugnissen seiner Freunde. Vortrag, Hauzenberg 1996.

Kamera: Lillian Joffroy, Salome Sommer, Anja Richter

Ton: Lillian Joffroy, Salome Sommer, Anja Richter

Schnitt: Lillian Joffroy

Bilder: Salome Sommer

Bildrecht_Titelbild: cc Stiftung Zuhören

Text: Anja Richter