Nach Zwiesel verschlagen

Verlassen - ein Dorf erzählt seine Geschichte
Nach Zwiesel verschlagen

Nach der Vertreibung wurde es still, der Schatten des Eisernen Vorhangs legte sich über mich. Die Grenze zwischen West und Ost machte es meinen ehemaligen Bewohnern unmöglich, mich zu besuchen. Einsamkeit durchzog meine Tage, meine Häuser waren bis auf die Grundmauern abgetragen und ich war somit unbewohnbar. Wo früher Kinder getobt und Kühe gegrast hatten, patrouillierten für Jahrzehnte nur Grenzsoldaten. Wo belebte Straßen meine Wiesen durchzogen hatten, prägten Stacheldraht und Wachtürme lange Zeit das Bild.

Meine ehemaligen Bewohner waren über ganz Deutschland verteilt worden, wie zum Beispiel nach Zwiesel. Auch wenn sie jetzt an neuen Orten wohnten und in neuen Häusern ein und aus gingen, konnten viele von ihnen mich nicht vergessen. 

Einen meiner ehemaligen Bewohner hat es über Winterberg und Rottal nach Zwiesel verschlagen. Sein Name ist Herbert Fastner. Er hat sogar ein Buch über mich geschrieben.

Seine Tochter Margit kann euch ein bisschen mehr darüber erzählen, wie es mit ihm weiter ging, nachdem er mir "leb' wohl" hatte sagen müssen.

Margit Fastner spricht über das Leben nach der Zwangsumsiedlung

So wie Herbert Fastner erging es vielen Umgesiedelten, nicht nur die Orte änderten sich, auch ursprüngliche Lebenspläne mussten neu geschrieben werden.

Zum Glück waren meine ehemaligen Bewohner damals so gut und haben nicht nur Nutz-, sondern auch Wertgegenstände über die Grenze geschafft. Es ist erstaunlich, dass so filigrane Dinge wie diese gläsernen Kostbarkeiten die gefährliche Reise überlebt haben.

Wertvolle Glaskunst aus Buchwald

Wertvolle Glaskunst aus Buchwald
Die Butterdose aus Glas in Form einer Henne und das Glas-Ei überlebten alle Vorfälle unbeschadet.

Ich bin dankbar, dass die Grenze heute verschwunden ist und ich wieder Besucher aus jedem Land empfangen kann. Auch wenn nicht mehr viel von mir übrig ist, so lebe ich doch in Erinnerung, Büchern, Heimatvereinen und durch Geschichten wie diese hier weiter...