Repressive Heimerziehung der DDR - Das DDR-Heimsystem
"Erziehung als Politik"

In der DDR hatte Erziehung einen hohen Stellenwert. Es sollte eine neue Gesellschaftsordnung aufgebaut werden und alle DDR-Bürger sollten "vollwertige Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft" werden: eine "sozialistische Persönlichkeit". Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) schuf ein Erziehungsprogramm, in welches die Menschen mit dem Eintritt in den Kindergarten bis zur Rente eingebunden wurden. Im Mittelpunkt stand die Kollektiverziehung.

Das Kollektiv war die "sozialistische Gruppe". In diese hatte sich der Einzelne einzuordnen. Es zählte nicht die Individualität, sondern die Leistung als Teil des Kollektivs. Das Kollektiv sollte sich den staatlichen Organen unterordnen. Die gewünschte Einheitlichkeit war nur mit aufwändiger Kontrolle durchzusetzen.

Kindererziehung war demnach in der DDR keine Privatangelegenheit. Eltern hatten laut Familiengesetzbuch "eine bedeutende staatsbürgerliche Aufgabe" zu leisten, sie sollten ihren Kindern sozialistische Moral und staatlich formulierte Wertmaßstäbe vermitteln. Fielen Kinder und Jugendliche negativ auf, schaltete sich die Jugendhilfe ein. Im Zweifelsfall wurde staatlichen Einrichtungen ein höherer Stellenwert zugemessen als der elterlichen Erziehung.

Pionierausweis

Pionierausweis
Bildquelle: Archiv Gedenkstätte GJWH Torgau

Die Pionierorganisation war in der DDR die politische Massenorganisation für Kinder. Ihr gehörten ein Großteil der Schüler vom ersten bis zum siebenten Schuljahr als Jung- oder Thälmannpioniere an. Die Pionierorganisation war der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angegliedert, die in der DDR die einzige staatlich anerkannte Jugendorganisation darstelle.  

Die DDR-Normalheime

In die Normalheime wurden Mädchen und Jungen eingewiesen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben konnten. Es handelte sich beispielsweise um Waisen sowie Kinder und Jugendliche, deren Erziehungsberechtigte durch Beruf, Krankheit oder aus anderen Gründen ihrer Erziehungsverantwortung nicht oder nicht hinreichend gerecht werden konnten. Kinder aus den Normalkinderheimen besuchten zum Großteil die ortsansässige Schule. Zu den Normalheimen zählten auch die Jugendwohnheime, in welchen Jugendliche ab dem Alter von 16 Jahren untergebracht werden konnten.

Obwohl in den Normalheimen der DDR mehr Kinder und Jugendliche lebten als in allen anderen Heimeinrichtungen, ist über die Lebensumstände in diesen Heimen noch wenig dokumentiert. Das größte Kinderheim der DDR befand sich mit einer Dauerbelegung von bis zu 600 Kindern und Jugendlichen in der Berliner Königsheide. Es entstand 1953 und war später auch unter dem Namen „A.S. Makarenko“ bekannt.